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Erste Rüganerin im Bundestag: Kerstin Kassner

Kerstin Kassner ist Expertin für Tourismus, ihr Herz schlägt für die Insel Rügen. Die Diplomökonomin für Hotel- und Gaststättenwesen ist Rüganerin mit Leib und Seele.

Kerstin Kassner vertritt seit 2013 als erste Abgeordnete der Insel Rügen den Wahlkreis "Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I" für die Partei Die Linke im Deutschen Bundestag. Trotzdem ist sie kein Politikneuling.

Karrierebeginn vor der Wiedervereinigung

Ihre politische Karriere begann schon vor der Wiedervereinigung. Zu DDR-Zeiten arbeitete Kerstin Kassner beim Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) als Hotelleiterin und wurde 1990 in die erste frei gewählte Volkskammer gewählt.

Rückblickend sagt sie: "Als Mitglied der Volkskammer arbeitete ich im Ausschuss Handel und Tourismus und war natürlich hoch motiviert, positive Veränderungen für die Menschen zu erreichen. Allerdings war es mir nur eine kurze Zeit vergönnt, diese demokratischen Entscheidungsprozesse mitzugestalten. Denn die Volkskammer beschloss in ihrer Sitzung am 23. August 1990 den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990".

 

Vizepräsidentin des Landtages

Kerstin Kassner hätte nach der Wiedervereinigung die Möglichkeit gehabt, Abgeordnete des Deutschen Bundestages in Bonn zu werden. Aber sie entschied sich für die Landespolitik und wurde Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern. Sie blieb es elf Jahre lang und arbeitete bis 2001 aktiv im Finanz- und Wirtschaftsausschuss sowie im Tourismusausschuss des Landtages, denn der Tourismus gewann in Mecklenburg-Vorpommern auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung.

Und genau da lagen ihre Kompetenzen und ihr Fachwissen. Kerstin Kassner erzählt: "Die Begegnungen mit Fachleuten aus dem In- und Ausland, die sich mit Tourismus beschäftigen, war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Der Erkenntnisgewinn, der mir dadurch zuteil wurde, und der Austausch von Ideen war und ist mir immer sehr wichtig. In meiner dritten Wahlperiode wählten mich die Abgeordneten sogar zur Vizepräsidentin des Landtages, und auch das war eine wirklich positive Erfahrung".

 

Landrätin auf Deutschlands größter Insel

Eine äußerst spannende Zeit, die mit riesigen Veränderungen verbunden war, begann für Kerstin Kassner, als im Jahr 2001 der Landrat von Rügen erstmalig von den Bürgern der Insel Rügen direkt gewählt wurde. Da kandidierte sie als Landrätin, obwohl sie ihre politische Arbeit in der Landtagsfraktion mit großer Leidenschaft ausübte und dort auch ihre Perspektive sah.

"Ich bin ein Mensch, der in der Arbeit persönliche Kontakte braucht, und ich konnte mir kein Amt vorstellen, in dem ich die meiste Zeit am Schreibtisch verbringe. Außerdem hatte ich mir eine vierte Wahlperiode im Landtag vorgenommen. Nicht nur, dass mir die Arbeit in der Landespolitik enorm viel Freude machte, es gab auch immer neue und spannende Herausforderungen. Letztlich ließ ich mich von meiner Partei überzeugen, meinen Hut in den Ring zu werfen und kandidierte als Landrätin", sagt Kerstin Kassner.

 

2008 im Amt bestätigt

Das Wahlergebnis war überraschend gut und zeigte, dass ihre Entscheidung richtig war. Kerstin Kassner wurde mit mehr als 53 Prozent der Wählerstimmen zur Landrätin gewählt. Dieses Wahlergebnis hatte sie nicht erwartet, deshalb war die Freude darüber, dass ihr die Menschen so viel Vertrauen entgegenbrachten, besonders groß. Offenbar zahlten sich ihre guten Verbindungen in die Inselgemeinden und der rege Austausch mit Verbänden, Vereinen und Unternehmen bei der Wahl aus.

Besonders deutlich wurde das bei ihrer zweiten Kandidatur im Jahr 2008. Da wurde Kerstin Kassner mit 68,3 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. "Das Vertrauen, das mir die Menschen entgegenbrachten, hat mich darin bestätigt, dass meine Richtung stimmt", sagt die Politikerin.

 

"Rügen als Naturparadies voranbringen"

Kerstin Kassner war zehn Jahre Landrätin und erzählt noch immer begeistert von einer tollen, aber sehr arbeitsintensiven Zeit. Sie entwickelte Regionalentwicklungs- und Tourismuskonzepte und hat mit Landes,- Bundes- und europäischer Unterstützung viele Projekte auf der Insel angeschoben und verwirklicht. Sie hatte den Anspruch, Rügen als Naturparadies voranzubringen.

Das war nicht immer leicht, weil es viele Besonderheiten in Tourismus und Wirtschaft, Naturschutz und Nachhaltigkeit zu beachten galt. Viele Interessen mussten unter einen Hut gebracht werden. "Ich habe durch meine ausgleichende Art unterschiedliche Interessengruppen zu Gesprächen an einen Tisch gebracht . Oft konnten Projekte erfolgreich umgesetzt werden", sagt die Politikerin.

 

"Das Wahlergebnis schmerzte"

Als Landrätin bekam sie aber nicht nur Einblick in die Entwicklung des Tourismus auf der Insel, sondern in alle Politikfelder. "Das ist eine Erfahrung von unschätzbarem Wert, die mir auch für meine jetzige Arbeit hilft", erzählt Kerstin Kassner, und man spürt schon wieder die Begeisterung für die Insel Rügen.

Als zur Landratswahl im Jahr 2011 durch die Kreisgebietsreform neue Kreise in Mecklenburg-Vorpommern entstanden, konnte sich Kerstin Kassner bei der Wahl des Landrates nicht mehr durchsetzen und wurde "nur" zur Stellvertreterin gewählt. Sie sagt: "Das Wahlergebnis schmerzte, aber als Demokratin habe ich den Wählerwillen natürlich akzeptiert."

 

Kandidatur als Herausforderung

Kerstin Kassner ist eine Politikerin, die immer neue Herausforderungen sucht, und die Bundestagswahl 2013 war eine solche. Sie sagt: "Ich brauche immer neue Ziele und war sofort bereit, für meine Partei als Kandidatin zur Bundestagswahl anzutreten. Ich habe in Mecklenburg-Vorpommern einen hohen Bekanntheitsgrad und wusste, dass mir viele Menschen vertrauen. Die Möglichkeit, die erste Rüganerin im Bundestag zu sein, war ein zusätzlicher Ansporn für mich."

Dass ihr Bundestagswahlkreis gleichzeitig der Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, störte die selbstbewusste Politikerin ebenfalls nicht. "Ich hätte mir gewünscht, dass ich Angela Merkel im Wahlkampf öfter getroffen hätte. Eine Diskussion mit ihr wäre sicher sehr spannend gewesen", sagt Kerstin Kassner. Obwohl die Politikerin, die bei den ersten beiden Wahlen zur Landrätin deutlich mehr Wählerstimmen geholt hatte, bei der Bundestagswahl "nur" etwa 20 Prozent erreichte, lag sie damit mehr als zwölf Prozent über dem Gesamtergebnis ihrer Partei und zog über die Landesliste in den Deutschen Bundestag ein.

 

Erste Rüganerin im Bundestag

"Für mich schließt sich mit dem Bundestagsmandat ein Kreis", sagt Kerstin Kassner und fügt an: "Meine politische Laufbahn habe ich in der ersten frei gewählten Volkskammer begonnen und bin nun die erste Rüganerin, die als Abgeordnete im Deutschen Bundestag sitzt. Es ist ein Erfolg, der mich ein wenig stolz macht."

Kerstin Kassner ist im Bundestag die kommunalpolitische Sprecherin ihrer Fraktion sowie ordentliches Mitglied im Tourismusausschuss und im Petitionsausschuss. Des Weiteren ist sie auch Schriftführerin im Plenum des Bundestages.

 

Quelle: Bundestag.de


Lebenslauf

Obwohl in Radebeul geboren, wuchs ich doch auf der Insel Rügen auf und fühle mich als echte Rüganerin und Vorpommerin.

  • Nach dem Abitur erlernte ich den Beruf der Kellnerin. 1981 wurde ich Restaurantleiterin beim FDGB-Feriendienst in Binz.
     
  • Zu dieser Zeit begann ich mein Fernstudium an der Handelshochschule Leipzig, das ich als Diplom-Ökonomin des Hotel- und Gaststättenwesens abschloss.
     
  • Danach war ich weiterhin an verschiedenen Positionen für den FDGB-Feriendienst tätig und leitete bis 1991 ein Hotel.
     
  • Nach der Wende machte ich mich mit einem eigenen Hotel in Putgarten selbständig.
     
  • 1990 wurde ich für die PDS in die letzte Volkskammer der DDR gewählt. Im gleichen Jahr wurde ich Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern.
     
  • Dort arbeitete ich in den Ausschüssen für Finanzen, Wirtschaft und Tourismus.
     
  • Von 1998 bis zu meinem Ausscheiden aus dem Landtag 2001 war ich stellvertretende Landtagspräsidentin.
     
  • Am 16. September 2001 wurde ich durch Direktwahl zur Landrätin des Landkreises Rügen gewählt und am 22. Juni 2008 mit 68,3 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang im Amt bestätigt.
     
  • Bei der Landratswahl 2011, für den neuen Landkreis Vorpommern-Rügen, wurde ich zur stellvertretende Landrätin gewählt.
     
  • Von 2013 - 2017 wurde ich für die 18. Legislaturperiode neu in den Deutschen Bundestag gewählt, durch ein tolles Landesergebnis von 21,5% der Zweitstimmen für DIE LINKE in M-V.
     
  • Am 24. September 2017 Wiederwahl in den Deutschen Bundestag und damit bin ich auch in der
     
  • 19. Legislaturperiode  wieder eine von drei Abgeordneten der Bundestagsfraktion DIE LINKE aus Mecklenburg-Vorpommern.