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Soziales Anliegen - Auf Reisen gehen können sollte jedes Kind

Artikel in der Zeitschrift JW-Spezial (www.jungewelt.de)

Als Ökonomin und ehemalige Hotelchefin, vor allem aber aus meiner zehnjährigen Zeit als Landrätin auf der Insel Rügen weiß ich, wie wichtig das Reisen ist. Wichtig nicht nur für Arbeitsplätze, für Umsätze und Gewinne in der Reisebranche, sondern vor allem für Kinder und Jugendliche. Früher waren regelmäßige Klassenfahrten selbstverständlich. Schulfahrten dienen nicht nur dem Spaß, sondern tragen auch allseitig zur Bildung bei. Das Lernen an einem anderen Ort als der Schule ist verbunden mit prägenden neuen Erfahrungen und Empfindungen. Deshalb sollten alle Kinder diese Möglichkeit im Verlauf der Schulzeit regelmäßig geboten bekommen – und zwar unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

Leider werden die Kosten manchmal zu Hürden, die nicht jede Familie nehmen kann. Die Regelungen im Bildungs- und Teilhabegesetz sind ungenügend, besser wäre eine generelle Aufnahme als Lernförderung in das Bildungsprogramm der Bundesländer. Es ist keineswegs mehr üblich, dass jedes Schulkind wenigstens einmal mit der Klasse verreist. Heute gibt es dazu in jedem Bundesland unterschiedliche Regelungen. Deshalb brauchen wir bundesweit einheitliche Kriterien für Schulfahrten.

Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin im März 2019 wird sich auch die Partei Die Linke präsentieren. Auf unseren Veranstaltungen wird es um Bildungsreisen für Grundschulkinder, »Reisen gegen das Vergessen« zum Beispiel zu Jugendbegegnungsstätten an Orten des Holocaust sowie den internationalen Jugendaustausch gehen. Das Reisen ist eine soziale Frage. Obwohl es auch preiswerte Angebote der Tourismusbranche gibt, können sich viele Familien mit Kindern und darunter besonders Alleinerziehende überhaupt keine Urlaubsfahrt leisten. Deshalb fordert Die Linke, dass die Bundesregierung Kinder- und Jugendreisen, solche für Familien mit Kindern und barrierefreie Angebote nach dem Grundsatz »Reisen für alle« organisatorisch und finanziell unterstützt.

Wie wichtig auch mir das Thema Jugendreisen ist, beweist zum Beispiel die Jugendherberge Prora, die der Landkreis Rügen als Bauherr im »Koloss von Prora« einrichten ließ. Als Landrätin war es mir wichtig, dass diese Liegenschaft nicht nur Ferienwohnungen bietet, sondern gerade auch junge Menschen sie kennenlernen. Nach langen Debatten sah das der Kreistag auf Rügen auch so. So kann die Lust auf das Reisen nach Rügen früh geweckt werden. Der riesige Gebäudekomplex geht auf die Nazizeit zurück, hat eine wechselvolle Geschichte durchlaufen. Bildungsveranstaltungen und Ausstellungen dazu werden von zwei Vereinen organisiert, und die Jugendherberge kooperiert mit diesen.

Reisen bildet – nicht nur in Hinblick auf Wissensvermittlung, sondern auch im Umgang mit anderen Menschen.