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Jörg Mattern

Ombudsfrau

Stralsund (OZ) - Mit Widersprüchen kennt Brigitte Waschkau sich aus. Die heute 70-jährige Stralsunderin hat einst für das Arbeitsamt Beschwerden bearbeitet. Das war, bevor sie in Rente ging. Die Hände in den Schoß legen, ist aber nicht ihr Ding, und so sagte sie ja, als die Bürgerschaft der Hansestadt 2009 für die damalige Arge eine Schlichterstelle einrichtete. Seither hielt sie an jedem dritten Donnerstag als ehrenamtliche Ombudsfrau ihre Sprechstunde ab.

Das soll auch so bleiben, auch wenn aus der einstigen Arge jetzt das Kommunale Jobcenter unter Verantwortung des Landkreises geworden ist. „Wir freuen uns, dass wir mit Brigitte Waschkau das fortsetzen können, was unter Verantwortung der Hansestadt bereits so erfolgreich begonnen wurde“, sagte am Dienstag Kerstin Kassner, stellvertretende Landrätin und zuständig für das Jobcenter. „Für mich ist es wichtig, dass wir den Bürgern ein Signal geben, hier kümmert sich jemand um ihre Probleme.“

Das tun die Mitarbeiter des Jobcenters zwar auch, doch Brigitte Waschkau will ganz bewusst als neutraler Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Sie weiß durch ihre langjährige Tätigkeit um die Schwierigkeiten, mit denen sich Berater wie Leistungsempfänger im Alltag bei der Berechnung von Leistungen nach der Hartz IV-Gesetzgebung herumärgern. „Da ist vieles einfach zu kompliziert angelegt“, sagt die Schlichterin. Sie denkt dabei vor allem an die so genannten Aufstocker. Frauen und Männer, deren Arbeitsverdienst nicht zum Leben ausreicht und der deshalb um staatliche Leistungen ergänzt wird. So ergeht es immerhin einem Drittel der 16 000 Bedarfsgemeinschaften, die vom Jobcenter Geld erhalten. „Da der Arbeitslohn selten stabil oder in gleicher Höhe gezahlt wird, müssen die zusätzlichen Leistungen ständig neu berechnet werden. Das führt zwangsläufig zu Fehlern, sieht Brigitte Waschkau einen der Mangel des Systems. Der führt unter anderem dazu, dass von Januar bis März dieses Jahres immerhin über 600 Widersprüche gegen Bescheide des Jobcenters eingegangen sind. Und nicht nur das: „Am Sozialgericht sind noch 1135 Klagen anhängig“, weiß Kerstin Kassner.

Die Schlichterin hat diese Entwicklung in ihrer bisherigen Arbeit gewissermaßen hautnah miterlebt. „Kamen anfangs die Betroffenen noch zögerlich zu mir, weil sie sich schlecht beraten fühlten oder von ihrem Betreuer nicht akzeptiert, so hat sich das schnell gewandelt“, sagt sie und ergänzt: „Heute bilden Fragen zur Richtigkeit der Leistungsberechnung den Schwerpunkt meiner Tätigkeit.“ Bis zu acht Betroffene wenden sich durchschnittlich pro Sprechtag mit ihren Fragen an die Schlichterin.

Nicht immer kann Brigitte Waschkau alles gleich während ihrer Sprechstunde klären. Doch sie weiß sich mit ihrem Anliegen von den Mitarbeitern des Jobcenters unterstützt und ist in der Lage, den Betroffenen binnen einer Woche eine Antwort zu ihrem Problem zu geben.

Ob sie das in Zukunft halten kann, blieb vorerst noch offen. Immerhin hat sich das Einzugsgebiet der Schlichterin um den kompletten Landkreis Vorpommern Rügen erweitert. Zwischen Arkona und Zingst betreut das kommunale Jobcenter 26 000 Männer, Frauen und Kinder.

Fragen zur Richtigkeit der Leistungsberechnung bilden heute den Schwerpunkt meiner Tätigkeit.“Brigitte Waschkau (70),

Ombudsfrau

Die Ombudsfrau hält jeden dritten Donnerstag im Monat von 14 bis 18 Uhr Sprechstunden in Raum 101 des Jobcenters am Carl-Heydemann-Ring ab.

Beratungsstart ist am 20. Juni.

Telefonisch ist Brigitte Waschkau unter 0172/273 71 92 zu erreichen.

Jörg Mattern